Schwertmeister von Kevelaer

Michael van Bühren unser Schwertmeister von Kevelaer

Corona Hindernis zum Dritten. Da auch in 2021 das Schützenwesen komplett darnieder liegt, springt auch in dieser Ausgabe ein Schützenbruder in die Bresche. In einer der vergangenen Ausgaben half der radrennfahrende Wolfgang Schaffers aus, die Seiten der Stadtbund-Nachrichten zu füllen. Für diese Ausgabe erklärte sich unser Schriftführer Michael van Bühren bereit, sich für ein Interview zur Verfügung zu stellen. Hier der Bericht aus den Stadtbund-Nachrichten.

SB-Nachrichten:

Hallo Michael, vielen Dank erst einmal, dass du dich bereit erklärt hast, über dein Hobby „Historischer Schwertkampf“ zu berichten. Mein Erstaunen war nicht minder gering wie schon bei Wolfgang mit seinen 24 Stunden auf dem Ring. Du schwingst das Schwert. Ich muss sagen, dass das extrem außergewöhnlich ist, worum geht es überhaupt?

Michael van Bühren:

Ganz allgemein handelt es sich um die Rekonstruktion und Ausübung einer historischen Kampfkunst. In meinem Fall aus Europa, noch genauer Kampftechniken mit dem so genannten langen Schwert, dieses wird auch gerne als Anderthalbhänder oder Bastardschwert bezeichnet. Es gibt noch weitere beliebte Waffenarten, z.B. Säbel, Schwert & Buckler, Rapier,…

Wichtig – Die Schutzmaske

Das Wissen um die Anwendung dieser Kampftechniken ist im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen, ist allerdings in Fechtbüchern bzw. Manuskripten aus dem Mittelalter beschrieben. Diese Texte sind wohl, auch nach Übersetzung nicht einfach zu verstehen, aus diesem Grund wurden (und werden immer noch) die verschiedenen Texte interpretiert und durch Anwendung rekonstruiert. In meinem Fall handelt es sich um das deutsche System mit dem langen Schwert (es gibt auch das italienische System). Der Großteil wurde vermutlich in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten rekonstruiert. Das ist ganz schön, schließlich kann man sich so auf den spaßigen Teil, sprich die Ausübung konzentrieren.

Zur Anwendung kommt (oder vielmehr kam) dieses System des so genannten Bloßfechtens z.B. in Duellen. Bloßfechten bedeutet, (in der Theorie) ohne den Schutz einer Rüstung, allerdings sehr wohl mit scharfem Schwert zu kämpfen.

 SB-Nachrichten:

Wie bist du zu dieser Sportart gestoßen? Seit wann bist du aktiv? Und natürlich die Frage: in einem Verein?

 Michael van Bühren:

Dazu gekommen bin ich über die Fechtgruppe aus Düsseldorf, da ich mich immer für Schwerter interessiert habe. Da diese Art des Fechtens (noch) nicht so verbreitet ist wie das geläufige Fechten z.B. bei den olympischen Spielen, habe ich erst die Gelegenheit gehabt, seitdem ich in Düsseldorf arbeite. Angefangen habe ich Ende 2016. Nein, wir sind kein Verein, aber eine Vereinsgründung ist in Planung, wenn wieder was möglich ist.

die Kampfmontur

SB-Nachrichten:

Trainierst du regelmäßig und nimmst du schon an Wettkämpfen teil?

 

Michael van Bühren:

Ja, genau wie z.B. beim Schießen kommt man ohne regelmäßiges Training nicht aus. Wir trainieren zumindest im Sommer bis zu drei Mal in der Woche, wobei ich es zeitlich nur ein bis zwei Mal schaffe. Im Moment gibt’s natürlich auch nichts, abgesehen von Trockentraining zu Hause. An Wettkämpfen außerhalb unserer Gruppe habe ich noch nicht teilgenommen. Es gibt zum Teil sehr große Events an denen Wettkämpfe stattfinden, mal schauen was sich nach Corona anbietet.

SB-Nachrichten:

Passend zu Wettkämpfen, wie findet die Wertung statt? Gibt es dazu ein elektronisches Wertungssystem welches einen Treffer anzeigt?

 Michael van Bühren:

Gerade auf größeren Wettkämpfen gibt es mehrere Wertungsrichter, diese stehen um die beiden Kontrahenten herum. So können idealerweise alle Treffer erkannt und beurteilt werden. Ein elektronisches Wertungssystem wird meines Wissens nach nicht verwendet. Der Hauptgrund dafür ist die damit verbundene Schwierigkeit die Qualität eines Treffers zu beurteilen. Das ist ein wichtiger Punkt bei der Punktevergabe, ein leichter Kontakt, welcher „in Echt“ höchstwahrscheinlich keine Verletzung herbei führen würde, wird in den meisten Wertungssystemen nicht gezählt. Wie schon angedeutet, gibt es auch nicht das eine gültige System, mit dem Kämpfe bewertet werden. Ein grundsätzlicher Konsens besteht wohl darin, dass dieses möglichst die Realität abbilden sollte, was wiederum nicht möglich ist, da wir nicht mit echten Schwertern kämpfen und gleichzeitig auch noch viel Schutzausrüstung tragen. Sicherheit geht verständlicherweise immer vor.

 

Michael van Bühren mit einem Komparsen

SB-Nachrichten:

Thema Ausrüstung. Was benötigt man denn alles? Ist die komplette Wettkampfausrüstung dein Eigentum? Vielleicht ein paar Details zu der Ausrüstung? Material, Gewicht etc.?

Michael van Bühren:

Man sollte meinen als erstes ein Schwert, das kann allerdings zumindest bei uns am Anfang auch geliehen werden. Die Trainingsschwerter sind natürlich nicht scharf, sondern extra angefertigt, um auch sicher zu sein. Diese orientieren sich ansonsten an „echten“ Schwertern, welche dann auch scharf wären, abgesehen von Stahl gibt es noch Kunststoff oder auch Holz als Material. Das ein Schwert superschwer wäre ist allerdings ein Mythos, vom Gewicht her grob im Bereich 1,2 – 2 kg.

Am Anfang am wichtigsten, um ein bisschen was machen zu können, ist eine Fechtmaske und halbwegs stabile Handschuhe. Damit können schon mal die Grundtechniken in Partnerdrills trainiert werden.

Für richtigen Freikampf/Sparring und natürlich auch Wettkämpfe reicht das nicht mehr aus. Gerade bei offiziellen Wettkämpfen sind die Anforderungen vergleichsweise hoch. Eine Fechtjacke & Fechthose mit Protektoren besonders für die Gelenke, Gorget, vernünftige Handschuhe, kommen dann noch dazu.

SB-Nachrichten:

Gibt es besondere Schrittkombinationen, oder Bewegungen? Mir schweben geade Bilder aus TV-Übertragungen durch den Kopf. Wie du schon sagtest, bei den olympischen Spielen. Wo der Hype um das Florett- oder Degensport immer relativ groß war.

 

Michael van Bühren:

Ja, da gibt‘s ne ganze Menge. Zu dem Thema eine kurze Beschreibung zur Beinarbeit. Beim bekannten Fechten wird wohl hauptsächlich mit Ausfallschritten gearbeitet. Bei Schwertern, welche mit 2 Händen geführt werden allerdings kaum, stattdessen wird der Fuß bewegt, von welcher Seite der Schlag (Hau genannt) kommt. Wenn ein Hau von rechts gemacht wird, steht davor generell der linke Fuß vorne und der rechte Fuß macht gleichzeitig den Schritt. Es gibt auch Ausnahmen, z.B. auch hier bei Stichen oder wenn man bereits näher zusammensteht, und zumindest für die Überbrückung der Distanz kein Schritt mehr nötig ist.

SB-Nachrichten:

Vielen Dank Michael für den umfassenden Einblick in diese bestimmte sehr spannende Sportart. Wenn einmal Wettkämpfe hier in der Nähe stattfinden werde ich bestimmt als interessierter Zuschauer in der Sportarena zugegen sein.