Das St. Antonius Heiligenhäuschen in Kevelaer, ein Kleinod am Niederrhein!

Von In Diverses

Der Bericht wurde von Rudi van Bühren im Jahre 1996, anlässlich der Wiedereinweihung des St. Tönnes-Hüske, nach einer sehr aufwendigen Restaurierung und der Einsetzung einer neuen Antonius-Figur, verfasst.

Seit mehr als 260 Jahren nun steht das St. Antonius-Häuschen in Kevelaer als Wahrzeichen der Verehrung des hl. Antonius. Klein und bescheiden zwar, mit seinem nach Westen gerichteten neugotischen Ziergiebel, hat es die Wirren und Zerstörungen vieler Kriege fast unbeschädigt überstanden.

Die in der Gedenktafel eingearbeiteten Initialen AM und MP sowie die Jahreszahl 1734 deuten darauf hin, das wohl 200 Jahre nach Gründung der St. Antonius-Schützen-Gilde, Anton Martens und seine Ehefrau Mechtildis geb. Peeters das St. Tönnes-Hüske an der Walbecker Str. auf ihrem Land gebaut haben. Ein Platz, der auch heute noch Pilger und Wanderer zum Beten und Verweilen einlädt.

„Nach dreifacher Verkündigung schlossen am 22. Oktober 1720 Anton Martens und Mechtildis Peeters in der Antonius Kirche in Kevelaer den Bund der Ehe.“ (Traubuch St. Antonius-Pfarrei)
Anton Martens, von 1721 bis zu seinem Tod am 5. September 1755, Mitglied der Antonius-Gilde, bewirtschaftete den dem St. Antonius-Häuschen gegenüberliegenden ca. 60 Morgen großen Helmanns-Hof. Das Hofland erstreckte sich zweifelsfrei auch auf die Parzelle, an der 1734 unser Heiligenhäuschen gebaut wurde. Warum Anton Martens und seine Frau Mechtildis die kleine Kapelle auf ihrem Land gebaut haben ist nicht bekannt, wohl aber kann angenommen werden, dass die Geburt ihrer Tochter Maria-Agnes am 18. Oktober 1734 hierfür der Anlass war.

Bis 1836, war es die Familie Martens, die sich um die Pflege der kleinen Andachtsstätte gekümmert hat. Von 1840 bis 1898 haben sich die Eigentumsverhältnisse des Hofes und des St. Antonius-Häuschens mehrmals geändert. Fast 200 Jahre lang wurde das St. Tönnes-Hüske von den Besitzern des Helmanns-Hof betreut und sicher liebevoll gepflegt. Die letzten Besitzer, die das Heiligenhäuschen gepflegt haben, waren die kinderlosen Eheleute Gerhard und Anna Maas geb. Sprünken. Sie haben diese Tradition zu Beginn des Jahres 1931 aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben. Einer Überlieferung aus dem Jahre 1920 zu Folge wurde der Ertrag einer kleinen, spitzen Landecke hinter dem St. Tönnes-Hüske jährlich von seinen Besitzern für die Betreuung und Pflege (Kerzenwachs, Farbe usw.) verwandt. 1932 übernahmen die Mitglieder der Antonius-Gilde diese Aufgaben.

Das Kevelaerer Volksblatt, in der Januar-Ausgabe von 1934, berichtet kurz über die Feier: „200 jährige Kultstätte“. Das an der Walbecker Straße gelegene kleine Antonius-Heiligenhäuschen wird am Patronatstage 1934 ein festliches Jubiläumskleid tragen. Das schlichte, einfache Backsteinhäuschen unter den mächtigen Linden ist weiß getüncht, ein echt niederrheinisches Landschaftsidyll. Aus Anlass des 200 jährigen Bestehens hat der Vorstand der Antonius-Gilde mit Genehmigung der Kirchenbehörde beschlossen, das Kleinod zu renovieren und zu schmücken. Über den Umfang der Renovierungsarbeiten ist uns leider nichts bekannt.

Von 1932 bis 1965 war es Heinrich Grüntgens, von 1965 bis 1986 Heinrich Nellesen und seitdem unser Schützenbruder Helmut Stenmans, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Erbe unseres Gildenbruders Anton Martens zu hüten und zu pflegen. 1970 dann wurde das St. Antonius-Häuschen und das dazugehörende 13 qm große Landstück von der Erbengemeinschaft Sprünken auf die St. Antonius-Schützen-Gilde übertragen. Richtungsweisend, um für die Zukunft die Existenz und die Pflege dieser Kleinkapelle an der Walbecker Str., zu sichern.

In den 262 Jahren seines Bestehens ist das kleine Häuschen sicher mehrmals restauriert, umgebaut oder verändert worden. Um 1860 (ab 1858 wurde die Marienbasilika gebaut – Natursandsteine waren in Kevelaer also ausreichend vorhanden) sind der neugotische Ziergiebel und die im Jugendstil gehaltene Einfassung des Innenbereichs aus Sandsteinen gehauen, hinzu gefügt worden.

Als 1951 die Walbecker Str. höher gelegt wurde, erhielt das St. Tönnes-Hüske ein neues ebenfalls höher gelegtes Fundament. Zu diesem Zweck wurde es in Kanthölzer eingefasst und vom bisherigen Fundament gelöst. Mit Seilwinde und Flaschenzug hat man es dann ca. 45 cm angehoben, aufgebockt und anschließend das neue, tragende Fundament untergebaut. Unter dem Standplatz der Antonius-Figur wurde eine Urkunde eingemauert, die die Arbeiten beschrieb und für die Nachwelt erhalten sollte.

Beim Patronatsfest im Januar des Jahres 1956 schlug der damalige Pastor von St. Antonius, Wilhelm Overlack, vor, eine würdige Statue für das St. Tönnes-Hüske zu beschaffen.

1960 konnte dieser Wunsch endlich verwirklicht werden. Der Kevelaerer Bildhauer Josef Vorfeld schuf eine Nachbildung der wertvollen alten Holzfigur, die in den Wirren der letzten Kriegstage 1945 verlorengegangen war.
Am Vorabend des Patronatsfestes 1960 zogen die Mitglieder der Antonius-Gilde vom Hause ihres Ehrenoffiziers Heinrich Grüntgens an der Twistedener Str. bei Einbruch der Dunkelheit zum St. Antonius-Häuschen. Der jüngste „Tön“ der Gilde, Anton Wolsing, trug die Statue. Pastor Wilhelm Overlack hat anschließend in einer kleinen Feierstunde die Figur gesegnet und von Pechfackeln beleuchtet in das Häuschen eingesetzt. Im Jahre 1976 wurde diese Figur bei einem Einbruch mutwillig zerstört, die Tonstücke lagen weit verstreut im Straßengraben. Es wurde dann, eine der damaligen Zeit entsprechende (leider viel zu große Figur aus Kunststoff) eingesetzt.

1984 ist der 250. Geburtstag unseres Häuschens. Die Tradition aus dem Jahre 1934, das Häuschen vor dem Patronatsfest im Januar festlich zu schmücken (Peelen), ist geblieben. Am Montag nach Antonius (17. Januar) pilgern die Bruders vor der Frühmesse vom Vereinslokal Voss zum Tönnes-Hüske um dort nach alter Tradition in niederländischer Sprache zu beten.

Im Sommer und in den folgenden Monaten des Jahres 1995 wurde die kleine Kapelle von den Mitgliedern der St. Antonius-Schützen-Gilde mit freundlicher Unterstützung der Stiftung der Volksbank Goch-Kevelaer e.G., zur Heimatforschung und Heimatpflege, in Eigenleistung vollkommen restauriert. Die Urkunde, die unsere Schützenbrüder 1951 unter dem Standplatz der Antonius-Figur eingemauert haben, ist bei den Restaurierungsarbeiten des Jahres 1995 wiedergefunden worden. Sie war in eine Glasflasche versiegelt, leider aber durch die Feuchtigkeit und die Witterungseinflüsse der zurückliegenden 44 Jahre teilweise vollständig aufgelöst.

Der Grundgedanke, die Struktur und die vorhandene Substanz zu erhalten, ist uns gelungen. Die Farbschichten vieler Generationen wurden abgetragen, das Klinkerwerk gereinigt und neu gefugt. Die Fundamente geprüft und mit einem Schutz versehen, die in Naturstein gehauene Dachbekrönung und die Einfassung des Innenbereichs ausgebessert. Die Dacheindeckung wurde in ihren wohl ursprünglichen Zustand mit einem roten Hohlziegeldach versehen. Der Innenbereich hat einen neuen Fußboden (Bodenplatten aus der Antonius-Kirche um 1900) bekommen, auf dem die neue Antonius-Figur, wieder von dem mittlerweile 92-jährigen Kevelaerer Künstler Josef Vorfeld geschaffen, sehr gut zur Geltung kommt. Die alten Gedenksteine (AM und MP sowie die Jahreszahl 1734) und das holländische Gebet im Giebel, wurden gereinigt, geschliffen und ihre Buchstaben und Zahlen von Steinmetz nachgearbeitet. Der Hintergrund wurde durch die Bepflanzung mit 4 Taxussträuchern aufgelockert und die Sicht auf die vorhandene Bebauung etwas abgeschirmt.

Die wohl letzte originale Antoniusfigur dieser Art, so wie sie auch in unserem Kapellchen gestanden hat, befindet sich in Pont. Die nun in das Kevelaerer Heiligenhäuschen eingesetzte Statue ist eine Nachbildung dieser aus dem frühen 18. Jahrhundert stammenden Holzfigur. Aus Sicherheitsgründen beherbergt die Antonius-Kapelle in Pont seit Anfang 1920 ebenfalls eine Nachbildung.

Heute nun im Jahre 1996 ist das St. Antonius-Häuschen am Samstag vor dem Namensfest unseres Pfarrpatrons von Pastor Alois van Doornick gesegnet und die Antonius-Figur eingeweiht und vom Betreuer der Antonius-Kapelle, Helmut Stenmans, eingesetzt worden. So steht es nun, unser kleines Heiligenhäuschen in seiner ganzen Schönheit, um nun auch von den folgenden Generationen gepflegt und gehütet zu werden.

auf dem Foto links: Hauptmann Hermann Toonen †, Pfleger des St. Tönnes-Hüske Helmut Stenmans, zum Teil verdeckt Fahnenoffizier Josef Humm, Präsident Rudi van Bühren rechts: Präses Pastor Alois van Doornick

auf dem Foto links: Hauptmann Hermann Toonen †, Pfleger des St. Tönnes-Hüske Helmut Stenmans, zum Teil verdeckt Fahnenoffizier Josef Humm, Präsident Rudi van Bühren
rechts: Präses Pastor Alois van Doornick

 

Quellennachweise:
1. Archiv St. Antonius-Schützen-Gilde
2. Archiv Johann Ingenhaag
3. Kirchenbücher St. Antonius
4. Dr. Plötz, Museum Kevelaer
5. Kreiskartasteramt Kleve
6. Standesamt Stadt Kevelaer
7. Maria Jansen, geb.Sprünken
8. Kreisarchiv Geldern